23 | 09 | 2017

Wer kennt sie nicht - die Kameraflüge aus der Werbung - Start im All, die Erde erscheint - wird größer und größer, Kontinente, Länder und Städte werden sichtbar- in den Städten werden Straßenzüge erkennbar, Häuserzeilen werden größer und kommen immer näher- Grundstücke und Autos sind erkennbar - Menschen gehen auf der Straße spazieren, jemand liegt auf einem Gartenstuhl und liest seine Zeitung.

Sie meinen, dass können nur professionelle Filmstudios? Aber nein! Das können auch Sie! Ich verwende dazu Google Earth und mein Videobearbeitungsprogramm Magix VideoDeluxe 2013 und ich zeige Ihnen in diesem Artikel, wie Sie zu einem ähnlichen Ergebnis kommen...

Als erstes benötigen wir Google Earth. Diese kostenlose Software kann man sie HIER herunterladen. Für den Kameraflug benötigen wir weiterhin eine gute Internetverbindung. Die Aufnahmen werden nämlich während des Fluges von den Google Servern heruntergeladen.

Weiterhin benötigen wir die Möglichkeit die Bilder des Kamerafluges in unser Video zu transferieren. Wenn man sich die kostenpflichtige Version von Google Earth besorgt, kann man direkt aus dem Programm ein Video erstellen. Um die kostenpflichtige Version zu umgehen benötigen wir die Möglichkeit die Bilder aufzunehmen. Der Fachbegriff nennt sich Screen Capture, dabei wird der Bildschirminhalt abfotografiert. Es gibt einige kostenlose und kostenpflichtige Tools, die dies mal besser, mal schlechter erledigen. Zum Beispiel sind da Autoscreenrecorder , Camtasia oder SnagIt zu nennen. Fantastischerweise hat mein Videobearbeitungsprogramm Magic VideoDeluxe 2013 eine ScreenCapturefunktion schon mit eingebaut, die ich hier auch verwenden möchte.

Am Anfang sollte man sich überlegen, welchen Flug man vorbereiten möchte. Starten Sie Google Earth und die Welt wird Ihnen gleich zu Füßen liegen. Geben Sie oben links einfach mal Ihren Wohnort ein und das Programm wird Sie dorthin fliegen.

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Während des Fluges werden laufend Dateien von Google nachgeladen. Das erkennen Sie daran, dass die Landschaften erst unscharf sind, später dann scharf werden, weil weitere Dateien nachgeladen wurden. Diese Unschärfe sollte in unserem FIlm natürlich nicht vorkommen. Die heruntergeladenen Daten werden jedoch auf dem Rechner im GoogleEarth Cache zwischengespeichert. Dieser Speicher sollte für unser Vorhaben ausreichend dimensioniert sein. Er ist auch abhängig vom eingebauten Hauptspeicher und dem verfügbaren Festplattenplatz. Klicken Sie zum Überprüfen der Cache Einstellung auf TOOLS-OPTIONEN und dann auf den Reiter CACHE:

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Passen Sie die Einstellungen ggf. an.

Wenn Google Earth auf das Ziel zufliegt, kann das Programm ruckeln, da das Material auch gerendert wird und die Leistung des Rechners evtl nicht ausreicht. Wir müssen deshalb die 'Fluggeschwindigkeit' etwas herabsetzen. Das stellt man im Reiter NAVIGATION unter ANFLUGGESCHWINDIGKEIT ein. Ich erachte die Werte im Bild als sinnvoll und klicke danach auf die Schaltfläche OK.

Die Geschwindigkeit des Fluges sollt nun schön langsam von Statten gehen. Was wir jetzt noch benötigen ist eine Ortsmarkierung. Ich suche jetzt mir also die Stelle aus, die ich anfliegen möchte und drehe und wende sie so, wie es am Schluss aussehen soll. Danach klicke ich oben in der Symbolleiste auf den gelben PIN und erstelle somit eine Ortsmarkierung. Ich schiebe sie an die Position die ich gerne haben möchte und gebe ihr auch einen Namen:

Jetzt gehe ich mit dem Zoom an die Position, von der ich den Kameraflug beginnen möchte. Danach klicke ich auf der linken Seite auf meine erstellte Ortsmarkierung und lasse meinen Punkt anfliegen. Das sollte jetzt schön langsam gehen und die Bilddaten haben genug Zeit um sich in den Cache zu laden.

Wenn alle Bilder heruntergeladen worden sind und keine pixeligen Bilder mehr auftauchen, können wir den Flug aufnehmen. Ich starte dazu mein VideoDeluxe und erstelle ein neues Projekt. Das leere Projekt ist nun vor mir und ich klicke auf den roten Punkt unter dem Vorschaumonitor:

Es öffnet sich ein Fenster, in dem ich die Aufnahmequelle auswählen kann. Ich wähle hier nun meinen BILDSCHIRM aus. Nun geht ein Aufnahmefenster auf, in dem ich allerdings keine Weiteren Einstellungen vornehme:

Ich klicke nun den AUFNEHME Button. Es erscheint ein Rahmen, dessen Inhalt später aufgenommen wird. Alles, was sich in diesem Rahmen befindet, landet später in unserem Video. Ausserdem gibt es noch ein paar Einstellungsmöglichkeiten im Dialogfenster. Ich ziehe den Rahmen auf meine gewünschte Größe und klicke wieder auf den roten Aufnehmeknopf. Ab jetzt wird alles aufgezeichnet. Ich wechsel in Google Earth, dessen Anfangsposition ich schon vorher eingestellt habe und klicke auf meine Ortsmarkierung. Der Flug in Google beginnt. Ich klicke ausserdem auf den Haken in der Ortsmarkierung, damit die Markierung selber nicht angezeigt wird. Das kann aber auch gewünscht sein...

Am Ende klicke ich auf das kleine Symbol neben der Uhr auf der Taskleiste, hierdurch kann die Aufnahme wieder gestoppt werden und der Aufnahmedialog erscheint wieder. Jetzt klicke ich auf OK und der FIlm ist in meiner Timeline.

Mein Flug dauert jetzt ca 1 minute 20 sekunden. Das ist natürlich viel zu lang. Deshalb baue ich jetzt noch den Zeitraffereffekt ein. Ich markiere mir hierzu mein Videoobjekt und wechsel oben in den Karteireiter auf den Reiter EFFEKTE und wähle dort unter VIDEOEFFEKTE die GESCHWINDIGKEIT aus:

Hier kann ich nun mit dem FAKTOR Regler die Länge einstellen oder einfach unten die zeit eingeben, wie lange der Flug dauern soll. Mein Flug soll 20 Sekunden dauern, die ich dort eintrage. Durch die ENTER Taste wird der Film gestaucht. Den Zeitraffereffekt im VideoDeluxe nutze ich deshalb, weil die schnelle Fahrt im GoogleEarth zu rucklern führt, und die sind bei mir unerwünscht.

So denn, mein fertiger Kameraflug sieht dann so aus. Man kann natürlich noch mit weiteren 'Anflugstationen' oder Wegpunkten arbeiten, hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Autor: Karsten Schirmacher