23 | 11 | 2017

In den Werbungsbroschüren werden die neuen Camcorder mit bestechenden Farben, unerreichbarer Schärfe und weiteren tollen Merkmalen beworden. Diese Kameras nehmen im Format AVCHD auf. Hier versuche ich einfach zu erklären, welche Vor und Nachteile dieses Format bietet.

AVCHD - im englischen Advanced Video Codec High Definition - im deutschen so etwas wie erweiterter, hoch auflösender Videoalgorhytmus - ist ein Verfahren, die Videobilder komprimiert in digitaler Form auf einem Medium (Festplatte, Speicherchip) abzulegen. Wir kennen entsprechende Codecs, z.B. MPEG 1,2 oder 4. Die MPEG Reihe sind sogenannte Containerformate, in der der eigendliche Datenstrom abgelegt wird. Im Container wird beschrieben, welcher Codec sich im inneren befindet, wie lang die Datei ist, usw. Das MPEG 2 Format wird bei herkömmlichen DVD's genutzt.

MPEG 4 wird ursprünglich von Apples Quick Time genutzt. Dieses Format wurde etliche Male weiterentwickelt. Momentan nennt sich das genaue Format AVC/H.264, wobei die Bezeichnung H.264 den Videokompressor beschreibt. Dieser Codec erzeugt den komprimierten Videofilm und packt diesen in den MPEG 4 Container, der wiederum im MPEG 2 Container platziert wird. Wenn wir also AVCHD nutzen, verwenden wir im Hintergrund ein MPEG 4 Format (Version 10 oder Part 10) mit einem H.264 Kompressionsalgorhytmus.

Neben dem verbesserten Kompressionsgrad gibt es noch einige andere große Unterschiede zum standard DVD oder PAL Format:

Unser analoges Fernsehbild, mit dem wir täglich konfrontiert werden, bietet nur eine 'Höhe' von 576 Zeilen.Wenn Sie an Ihren Röhrenfernseher ganz nah dran gehen, können Sie die Zeilen nachzählen. Auch die super duper großen TFT Fernseher verwenden diese Anzahl an Zeilen. Deshalb verschwimmen die Bilder, je größer der TFT ist. Mit AVCHD haben wir zukünftig eine genze Palette an Formaten, die man aufzeichnen kann. Wir können 720 Zeilen oder 1080 Zeilen verwenden. Einen Großteil der Schärfewirkung der Bilder nehmen wir mit der Anzahl der Einzelbilder wahr. Wenn wenige Einzelbilder je Sekunde gezeigt werden, wird das Bild verschwimmen. Je mehr Einzelbilder dargestellt werden können, desto schärfer nehmen wir das Videomaterial wahr. Deshalb gibt es zu der Bezeichnung der anzuzeigenden Zeilen auch noch einen Wert der darzustellenden Bilder, nämlich bei 720 Zeilen 30, 25 oder 24 Vollbilder/s, bei 1080 gibt es 24 Vollbilder je Sekunde.

Damit die ganze Sache nicht zu einfach wird, gibt es noch die Geschichte mit den Vollbildern und den Halbbilder. Unser Standardfernsehprogramm arbeitet mit 50 Halbbildern/sekunde. Das bedeutet, dass erst ein Bild,das aussieht wie eine offene Jarlousie, dargestellt wird. Als nächstes kommt das nächste Halbbild und füllt die offenen Streifen aus. Dann kommt wieder ein Halbbild und ersetzt das erste. usw. Es werden also insgesamt 50 Halbbilder je sekunde dargestellt. Dieses Halbbildverfahren wird durch das i wie Interlaced deutlich gemacht. Dieses Bildverfahren neigt zum flimmern und zur Unschärfe, weswegen wir von diesem Format Abstand nehmen sollten. In den Produktbeschreibungen finden sich dann Angaben wie 720/50i

Als weitere Option gibt es noch die Vollbilder. Hier wird nicht jede zweite Zeile eines Bildes dargestellt, sondern immer ein Vollbild. Dies nennt man dann Progressive und wird mit p abgekürzt. Weil nur noch volle Bilder angezeigt werden, benötigt man auch nur die Hälfte der anzuzeigenden Bilder. Das ist das Verfahren, das Schärfe bringt. In den Produktbeschreibungen finden sich dann Werte wie 1080/25p.

Nutzen kann man diese Technik, wenn man auch sogenannte FULL HD abspielfähige Geräte besitzt. Als erstes benötigen Sie einen Fernseher, der die entsprechenden Eigenschaften aufweist. (Full HD READY). Dann benötigen Sie entweder Ihre Videokamera, die Sie direkt am Fernseher per HDMI Kabel anschließen oder Sie haben ein Blue Ray Disc Abspielgerät, die die AVCHD oder Full HD Filme auf einer DVD ähnlichen Blue Ray abspielen kann. SIe müssen natürlich irgendwie Ihren Videofilm von der Kamera auf die Blue Ray bekommen. Dazu nutzen Sie Ihren Hochleistungsrechner mit einer entsprechenden Schnittsoftware, der auch mit AVCHD Datenströmen umgehen kann.

Wenn Sie diese Geräte alle im Haus haben, können Sie voll und ganz in den Genuss von hochauflösenden- selbst gedrehten Videomaterial kommen.

 

K. Schirmacher